GRACE-Studie: EU-Kommission soll aktiv werden

Nach wie vor erhebliche Zweifel an Publikation über Fütterungsversuch mit Gentechnik-Mais

15. Dezember 2014 / Testbiotech hat erneut an den EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis geschrieben und die Kritik an der Publikation von Zeljenková et al. (2014) bekräftigt. Diese Publikation beinhaltet die Ergebnisse einer Fütterungsstudie, die im Rahmen des EU-Projekts GRACE durchgeführt worden war. Dabei wurden Ratten über 90 Tage mit dem gentechnisch verändertem Mais MON810 gefüttert, der ein Insektengift produziert. Die Ergebnisse wurden im Oktober 2014 in der Fachzeitschrift Archives of Toxicology veröffentlicht. Testbiotech fordert nachdrücklich, dass diese Publikation aus folgenden Gründen zurückgezogen wird:

  • Die Schlussfolgerungen der Studie beruhen nicht auf einer ausreichend sorgfältigen Bewertung der vorliegenden Daten. Insbesondere erscheint es inakzeptabel, dass eine signifikante, dosisabhängige Abnahme des Gehalts an Gesamtprotein (Gesamteiweiß) im Serum und die Verringerung des Pankreasgewichts bei einer gleichzeitigen Erhöhung des Glukosespiegels bei den Versuchstieren als toxikologisch nicht relevant eingeschätzt wird. Da es nicht gelang, eine Dosis ohne toxikologisch relevante Veränderungen (no-observed-effect level) zu bestimmen, ist die Studie im Sinne einer Sicherheitsbewertung weitgehend wertlos.
  • Zudem gibt es erhebliche Zweifel an der wissenschaftlichen Integrität des Publikationsprozesses. Grund hierfür sind eine enge Verbindung des Hauptautors mit dem Journal Archives of Toxicology und seinen Herausgebern, eine teilweise enge Kooperation des Journals mit der Industrie und unvollständige Angaben über tatsächliche Interessenkonflikte.

Die EU-Kommission war bereits vor über einem Monat über diese Bedenken informiert worden, hat sich bis jetzt aber nicht offiziell dazu geäußert. Stattdessen erhielt Testbiotech offene Briefe vom Koordinator des GRACE-Projekts, Professor Joachim Schiemann, und dem leitenden Herausgeber der Archives of Toxicology, Professor Jan G. Hengstler. Beide versuchen, die Publikation zu verteidigen, und fordern Testbiotech auf, einen Kommentar an das Fachjournal zu schicken.

Testbiotech ist jedoch der Ansicht, dass es unter diesen Umständen nicht dem Journal überlassen werden sollte, über die Kritik an der Publikation zu entscheiden. Da sowohl das Fachjournal als auch die Publikation wegen mangelnder Glaubwürdigkeit und Verletzung wissenschaftlicher Standards kritisiert werden, sind sie in der schwierigen Situation, sich selbst verteidigen zu müssen. Deshalb verlangt Testbiotech, dass die EU-Kommission, die das Projekt finanziert hat, einen Vorschlag macht, wie das Problem gelöst werden kann.

In diesem Zusammenhang warnt Testbiotech auch davor, dass es bei anderen EU-Projekten zu ähnlichen Problemen kommen könnte: Bei einem dieser Projekte wird – wieder im Rahmen von GRACE – der Gentechnik-Mais MON810 über ein Jahr an Ratten verfüttert. Bei dem anderen Projekt – es firmiert unter dem NamenG-TwYST –, das von dem umstrittenen GRACE-Experten Pablo Steinberg geleitet wird, geht es um den Mais NK603, der gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat resistent gemacht wurde. Beide Studien könnten von erheblicher Bedeutung für die zukünftigen EU-Standards bei der Risikobewertung von Gentechnik-Pflanzen sein. Deshalb verlangt Testbiotech, dass in Bezug auf die wissenschaftlichen Standards und die Unabhängigkeit der Experten strengste Maßstäbe angelegt werden.

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